Germany: 12 Points!
Es gibt Dinge, die gibt es nicht. Fliegende Kühe zum Beispiel. Oder deutsche Musiker, die den Grand Prix - oder den Eurovision Song Contest, wie er sich jetzt schimpft - gewinnen.
Als der Grand Prix das letzte Mal von Deutschland heimgeholt wurde, war ich noch nicht in der Schule. Nun im Jahre 2010 stehe ich schon seit über 10 Jahren im Berufsleben. Diese Dimensionen muss man sich mal vorstellen.
Ich gestehe, dass ich nicht zu den absoluten Lena-Fans gehöre und der ein oder andere mag im Vorfeld zum Grand Prix manch kritisches Wort von mir gehört haben. Nur, jawohl, auch ich war hin und weg gestern. Wie ich auch als absolute Fußball-Null bei der WM zu einem Fan mutiere. Der Sog zieht mit. Und letzten Endes war ja nicht mein Geschmack ausschlaggebend, sondern der vieler Millionen Europäer. Wobei ich sagen muss, dass ich das Lied immer mehr mochte, je öfter ich es gehört habe und das war in den letzten Wochen recht häufig.
Lena lässt sich durch nichts verbiegen; weder hat sie trotz Kritik ihre englische Aussprache angepasst, noch hat sie an ihrenm Bewegungen etwas geändert. Außerdem hatte sie nicht viel zu verlieren (O-Ton in einem Intervierw: "Schlimmer als ohne mich kann es mit mir auch nicht werden!") und viel zu gewinnen. Mit dieser Einstellung geht man vielleicht auch etwas anders an die Sache heran. Dass sie dabei ohne große Choreographie, ohne Nackteinlagen oder aufwändige Kostümierung ihre Punkte bekommen hat, spricht auch für sich.
Nicht zuletzt hat sich auch gezeigt, dass das zugegebenerweise sehr aufwändige Vorentscheidsverfahren zu seinem Erfolg geführt hat. Und klar, Stefan Raab braucht wahrscheinlich sein ganzes Leben keinen Finger mehr krumm machen. Aber wenn man ehrlich ist, hatte er eben wirklich ein Händchen dafür. Allein, einen öffentlichen und einen Privatsender in dieser Sache zu vereinen, hat noch keiner vorher geschafft. Also wollen wir es ihm nicht neiden - obwohl weit oben in Tötensen sicher ein Dieter Bohlen sitzt und sich in den Wertesten beißt, dass er Lena nicht entdeckt hat!
Beeindruckend fand ich auch im Vorfeld, dass Deutschland endlich mal wieder Interesse am Grand Prix hatte. Dies ist all die Jahre vorher nicht passiert. Man hat sich damit arrangiert, dass es "eh egal ist" und uns sowieso keiner mag. Ganz anders war es dieses Jahr. Auch wenn man nicht für sein eigenes Land stimmen kann, bin ich davon überzeugt, dass ein Künstler überhaut nur eine Chance hat, wenn er den Rückhalt der eigenen Bevölkerung hat. Und natürlich auch der Medien, die Lena ja seit Wochen in den siebten Himmel gelobt haben. Dies beeinflusst natürlich auch andere Länder, denn auch ein Reporter des schwedischen Aftonbladets oder der britischen Sun klopft vielleicht mal die Stimmung in den jeweiligen Teilnehmerländern ab. Durch die heutige Vernetzung alles gar kein Problem.
Letzten Endes möchte ich noch eine generelles Lob für den diesjährigen Wettbewerb aussprechen: Ich fand ihn qualitativ den letzten Jahren haushoch überlegen. Lieder, bei dem sich einem die Nackenhaare aufstellten, gab es nur vereinzelt (erwähnen, wenn auch nicht lobend, möchte ich hier den Serben Milan Stankovic mit seinem nervigen "Ovo je Balkan"), vieles war zumindest ganz erträglich und einige Nummern sogar richtig gut. Süß fand ich auch die Dänen, aber mal ehlich, für den Sieg des eigenen Landes kann man auch mal einen Abend seine Skandinavienliebe vergessen!
Bleibt noch die Frage, welche deutsche Stadt im nächsten Jahr den Grand Prix ausrichtet. Ganz uneigennützig bin ich natürlich für Frankfurt (da würd ich wahrscheinlich sogar hinfahren), was aber utopisch ist. Hamburg wäre passend oder aber wie in den anderen Ländern ganz einfach die Hauptstadt. Die O2-Arena in Berlin wäre sicher eine gute Location dafür. Und was Lena betrifft, bin ich sehr gespannt, wie es weitergeht. Da schlummert offensichtlich Potential! Genießen wir es also, denn der nächste Grand-Prix-Sieg kann bekanntermaßen ein paar Jährchen dauern...
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Sukie (31.5.10 10:22) Hallo, wollte auch schon was zu Lena auf meinem Blog sagen, hab es aber noch nicht geschafft. Kann mich Deiner Meinung nur anschließen. Aber da sieht man auch, was gute Promotion macht. In Schweden war ihr Lied vor dem Grand Prix schon total oft auf Handys zu hören zum Beispiel. Sukie |